Tegernsee Miesbach

Durch die riemerlinger Forststraße und die Robert-Bosch-Straße fahren wir zum “Aldi-Kreisel”, dort nach links, die Rosenheimer Landstraße Richtung Süden, nach der Kreuzung den schmalen Weg neben der Straße entlang und weiter auf der Bogenstraße. Vor der Autobahnbrücke zweigt links der Radweg ab, auf dem wir die A99 unterqueren. Dann noch ein Stück die Rosenheimer entlang und auf der Waldstraße nach Rechts. Wenn wir am Ende ihrer Linkskurve folgen, kommen wir genau dort an die Haidstraße, wo gegenüber der kleine Weg über die Pferdeweiden führt. Ihm folgen wir, durchqueren Kirchstockach und fahren am Rand des Golfplatzes weiter in Richtung Brunnthal.

Wem dieser Weg von der letzten Tour zum Starnberger See her allzu bekannt vorkommt, sollte jetzt aufpassen, denn in Brunnthal geht es zwar jetzt auch nach rechts, aber diesmal gleich wieder nach links in die Hofoldinger Straße und hinaus aus dem Ort. Bald können wir bei der Einfahrt nach Hofolding linker Hand eine eindrucksvoll vielfältige Zaunlandschaft bestaunen. Wir folgen den Kurven und überqueren dann die Staatsstraße mit einem kleinen Versatz nach links. Während wir Hofolding auf dem Markweg verlassen, begleiten uns noch ein Stück weit die Bratfett-Schwaden aus dem beliebten Großgasthof. Auf dem weiteren Weg passieren wir ein Kleintiergehege mit Ziegen, Enten, Hühnern und Gänsen, dann die Bayerischen Asphalt-Mischwerke, und schließlich, schon im Wald, die Schießanlage des Bogenschützenclubs Hofolding. Gleich danach überqueren wir die alte Römerstraße Via Julia. Der Markweg zwischen Hofolding und Otterfing ist eine meiner Lieblingsstrecken in dieser Gegend. Der Wald ist mal kühl und schattig, dann wieder offen und sonnig, und wenn nicht gerade ein Stau auf der A8 gewitzte Autofahrer zu Schleichwegen ermutigt, sind Radler und Skater auf der glatten Asphaltbahn ganz unter sich. Nach einigen Kilometern kommt die Rampe zur Autobahnbrücke, aber diesmal biegen wir schon an deren Fuß links ab auf das Peisser Geräumt und nach eineinhalb Kilometern rechts auf das Haupt-Geräumt, dem wir südwärts folgen, bis wir die Teerstraße erreichen, auf der wir uns nach links halten, um nach Kreuzstraße zu gelangen. Beim Bartewirt biegen wir rechts ab in die Römerstraße, die uns hinunter zur Bahnlinie bringt. Drüben geht es wieder hinauf, bald kommt Sollach, dann Unterdarching, dort mit leichtem Rechtsversatz weiter südwärts, immer geradeaus und schließlich steil hinunter nach Mühltal.

Das läuft recht flott, aber wir müssen rechtzeitig bremsen, um noch vor der Mangfallbrücke rechts auf einen Pfad einzubiegen, der bald steil aufwärts führt und sich zwischen Fluss und Bahnlinie entlangwindet. Auffällig die  Installation des Bildhauers Karl Jakob Schwalbach „Tränen der Erde“ beim Spiralschacht Thalham, wo das hier in Quellfassungen gesammelte Trinkwasser behutsam in die Tiefe geführt wird, um dort in einer Druckleitung nach München gebracht zu werden. Bald passieren wir einen Bahnübergang, bleiben aber noch kurz auf unserer Seite, entfernen uns sogar noch ein Stück von der Bahn, bis wir an einer Einmündung wieder rechts auf den Schienenstrang zufahren und ihn unterqueren. Links weiter auf der Reisachstraße, über den Fluss, bald nochmal rechts über eine kleine Brücke, auf der anderen Seite wieder nach links, dann in weitem Bogen an einer großen Wiese entlang und nach einer Weile wieder näher zum Fluss. Schließlich überqueren wir einen betonierten Kanal, der das Wasser von der Mangfall bis in den Seehamer See leitet, um es dem Leitzachwerk zuzuführen. Wir werden ihm sehr viel später auf dieser Reise nochmal begegnen. Weiter, bis wir zunächst eine Kläranlage und dann eine aufgelassene Fabrik passieren und beim “Müller am Baum” an die Hauptstraße B 472 gelangen.

Der Verkehr ist ätzend, aber wir müssen ihn jetzt leider für eineinhalb Kilometer in Kauf nehmen und der Bundesstraße nach rechts folgen. Auch das Verlassen der Straße hat es am Ende in sich, denn wir müssen nach links zum Sägewerk Richtung Thalmühl, während die B 472 in einer leichten Rechtskurve aufwärts zieht. Am einfachsten geht es, wenn wir in zügiger Fahrt die linke Hand als Richtungszeichen hinaushalten, dann mit Blick nach hinten etwas in die Mitte ziehen und so den nachfolgenden Verkehr aufhalten, bis sich im Gegenverkehr eine Lücke zum Abbiegen bietet. Für Autofahrer ist dieses Manöver normal, als Radler brauchen wir etwas Schneid und Routine und ein guter Rückspiegel wie der kaum zu übertreffende Mirrycle ist in solchen Situationen Gold wert.

Gleich wird es nochmal geruhsam. Wir bleiben in Bachnähe, fahren am Werksgelände der Papierfabrik Luisenthal entlang und kommen so an der Münchner Straße nach Gmund am Tegernsee. Wenn nun Wochenende ist und ein sonniger Ausflugstag, dann können wir uns gleich an der Kreuzung ein Bild davon machen, wie der Autoverkehr der Erholungssuchenden die Erholung zerstört, die sie suchen. Lärmend und Abgase ausstoßend zieht die endlose Karawane durch den Ort. Wir verschwinden schnell hinunter zum See, wo es zwar an solchen Tagen nicht einsam ist, aber dort sind nur Fußgänger und Badende. Anschließend wollen wir weiter in Richtung Osten und das geht am ruhigsten, wenn wir die Schlierseer Straße meiden und den etwas südlich davon verlaufenden Bodensee-Königssee-Radweg nehmen. So kommen wir über Niemandsbichl zur Sommerrodelbahn Oedberg und nach Unterschuß, wo wir leicht nach links die Autostraße überqueren, um dann am Hang gegenüber nach Antenloh und dann in einer Serpentine nach Eck hinaufzufahren. Je mehr wir steigen, umso besser wird die Aussicht. Etwas nördlich vom Mayer in der Eck geht es kurz durch den Wald und wenig später in einem weiten Bogen ostwärts auf Miesbach zu, wo wir zuerst die B 472 und dann nach rechts zu die Bahn überqueren und auf der Haidmühlstraße in den Ort hineinfahren, um uns ein Wenig umzusehen.

Im Osten wird Miesbach von der schon bekannten B 472 durchzogen. Wir erreichen sie z.B. über die Münchner Straße und folgen ihr ein Stück weit auf dem Radweg nach Nordosten, verlassen sie aber bald wieder und fahren über Markstein, Heimberg, Kastlhub nach Auerschmied. Kurz nach dem Ort unterqueren wir die Autobahn und halten uns vor Oberhasling links im großen Bogen zur Leitzach hin, passieren Niederhasling und fahren vor der Gaststätte Auerhof nochmals links. Bald danach begegnet uns wieder die Wasserleitung zum Leitzachwerk, nun nicht mehr als Kanal, sondern als dickes Rohr, das vom Seehamer See herunter kommt und das Tal durchquert.

Abend bei Esterndorf, Weyarn

In Holzolling biegen wir rechts ab nach Naring, folgen den Wegweisern zum “Goldenen Tal” und sind bald an der Mangfall und in Westerham. Auf der Miesbacher Straße fahren wir hinein, dann nach links in die Von-Andrian-Straße und auf der Ostsee-Oberbayern-Radroute nach Altenburg und Aschbach. Hinter Aschbach fahren wir auf der Straße nach links, zuerst ein Stück aufwärts und dann recht steil hinunter nach Grub, wo wir gleich scharf rechts abbiegen. An einigen Häusern vorbei geht es auf den Wald zu und wo die Straße nach rechts abbiegt, fahen wir auf dem Waldweg geradeaus weiter, kommen bald wieder hinaus auf die Felder und gelangen zu einigen Werkshallen, die wir umrunden. An der Staße fahren wir nach links und kurz vor dem Bahnübergang wieder rechts hinein, am Bahnhof Großhelfendorf entlang und weiter in Richtung Peiß. Dort am Bahnhof entlang, hinauf zur viel befahrenen Staatsstraße, mit Umsicht linkswärts hinüber auf die andere Seite und gleich wieder rechts auf dem Radweg entlang der Peißer Straße hinüber nach Aying. Hier folgen wir nicht der Straßenführung, sondern durchqueren den Ort in gerader Linie über den Johann-Mang-Weg und die Münchner Straße und kommen beim Biersee wieder hinaus.

Am Biersee halten wir uns diesmal geradeaus, an der Weggabelung nehmen wir den linken Ast, fahren ein Stück geradeaus im Wald bis zu ersten Teerstraße im Dürrnhaarer Geräumt, der wir linkswärts folgen. So gelangen wir nach Dürrnhaar, überqueren dort die Bahnlinie und wenden uns gleich danach rechts, bei dem kleinen Bahnübergang wieder links und an der Staatsstraße rechts entlang in Richtung Höhenkirchen. Nach einer Weile schwenkt der Radweg in einer S-Kurve zur Bahn und läuft dann an den Gleisen entlang bis zum Ortseingang. Wo die neue Umgehungsstraße in breiter Schneise nach links in den Wald abbiegt, halten wir uns geradeaus und folgen der Rosenheimer Straße, bis wir zwischen Altem Wirt und Kirche hindurch sind und nach links in die Münchner Straße abbiegen. Vor der Tankstellebiegen wir rechts ab in die Wächterhofstraße. Die restlichen viereinhalb Kilometer geht es ohne weitere Überquerung der Bahn einfach immer geradeaus zurück nach Riemerling.

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Wolfratshausen – Starnberger See – Solln (94 km)

Durch die riemerlinger Forststraße und die Robert-Bosch-Straße fahren wir zum “Aldi-Kreisel”, dort nach links, die Rosenheimer Landstraße Richtung Süden, nach der Kreuzung den schmalen Weg neben der Straße entlang und weiter auf der Bogenstraße. Vor der Autobahnbrücke zweigt links der Radweg ab, auf dem wir die A99 unterqueren. Dann noch ein Stück die Rosenheimer entlang und auf der Waldstraße nach Rechts. Wenn wir am Ende ihrer Linkskurve folgen, kommen wir genau dort an die Haidstraße, wo gegenüber der kleine Weg über die Pferdeweiden führt. Ihm folgen wir, durchqueren Kirchstockach und fahren am Rand des Golfplatzes weiter in Richtung Brunnthal.

Dort biegen wir beim Rathaus rechts ab und fahren westwärts nach Otterloh, wo wir an der Bauminsel links die Tölzer Straße nehmen. An den ersten Häusern von Sauerlach behalten wir unsere südwestliche Richtung bei und folgen weiter der Otterloher Straße, überqueren die Münchner Straße, unterqueren die Bahnlinie, halten uns auf der Kirchstraße und biegen an der Kirche nach rechts in die Wolfratshauser Straße ab. Wem dort der Verkehr zu stark ist, kann nach fünfzig Metern links in den Dischingerweg oder etwas weiter in den Pechlerweg einbiegen, am Ortsrand wieder parallel zur Wolfratshauser Straße nach rechts fahren und trifft uns genau dort, wo der Radweg beginnt.

Im Wald zweigt alsbald die Endlhausener Straße ab, der wir folgen. Westwärts durch Großeichenhausen, in Endlhausen schräg rechts über die Sauerlacher Straße und weiter westwärts nach Eulenschwang. Dort am Ortsende kurz links und gleich wieder rechts auf den Wald zu und hindurch nach Aufhofen, wo wir unsere Himmelsrichtung einhalten und auf der Hauptstraße nach Dettenhausen kommen. Auch dort in gleicher Richtung weiter, dann die Staatsstraße queren und über die Felder nach Ergertshausen, wo wir ein Stückchen südwärts der Dorfstraße folgen, bis wir am Riedhofweg wieder links einbiegen und im Schutz von Sträuchern und Bäumen den Golfplatz passieren. Danach geht es ein kleines Stück nach rechts auf der Staatsstraße, aber bald zweigt halblinks der Jägerweg ab und bringt uns zum Gasthaus Aujäger.

Die Staatsstraße führt uns zur Marienbrücke über die Isar, deren Patronin sich am Westufer schamvoll in den Büschen verstecken muß, damit nicht nochmal jemand an der Skulptur Anstoß nimmt und sie in die Isar stürzt. So war es ihr nämlich ergangen, als sie vor Jahren noch einen prominenteren Standort auf der Brücke einnahm. Bayerische Traditionskatholiken haben ihr ganz eigenes Kunstverständnis, wie man weiß.

Wir durchqueren Wolfratshausen, überqueren die Bahn und die Loisach, halten uns gleich nach der Brücke links, bleiben noch ein Stück in der Wohnsiedlung und folgen dann der Beuerberger Straße südwärts, bis wir die B11 unterquert haben und westwärts die Straße nach Degerndorf abzweigt. In Degerndorf habe ich alle Wegweiser ignoriert und bin westwärts den Petersberg gefahren, wo man zwar einen wunderbaren Ausblick auf die Bergkette genießt, ganz oben aber umkehren muß, weil die Bauernstraße einfach endet. Also nehmen wir lieber gleich am Degerndorfer Weiher westwärts die etwas tiefer gelegene Straße nach Attenkam, halten uns im Ort dann rechts und folgen der Straße nach Holzhausen. Dort ein Stück südwärts und dann rechts in die Ambacher, links in die Kirchbergstraße und schließlich flott hinunter nach Ambach am Starnberger See. Wer will, kann dort in Familie Bierbichlers Gasthaus Zum Fischermeister traditionsreich einkehren.

Recht gemütlich geht es dann am Seeufer entlang nach Norden. In Ammerland gönnte ich mir einen Kaffee im Hotel am See. Das nichtssagende Getränk und einen ganz anständigen gedeckten Zwetschgenkuchen servierte ein mit ostdeutschem Akzent plärrender Kellner von höchst rüdem Charme. VEB Ausflugsgaststätte. Wer sich nicht ärgern will, lacht drüber. Schön war es, in der Sonne am See zu sitzen, den Segelbooten, den Schwänen, den Möven und den Ausflüglern am Bootssteg zuzusehen und die Beine etwas auszuruhen. An solchen Sommertagen ist der See ein Inbegriff des Müßiggangs. Weiter nordwärts am Ufer entlang. Villen, Seegrundstücke, alte Bäume. Bei Berg dann der Park mit der König-Ludwig-Votivkapelle.

So könnte man noch bis Starnberg am See entlangfahren, aber diesmal überquerte ich in Kempfenhausen die Münchner Straße, Fasanenweg, Sonnleitenweg, Sattlerfeld und ab in den Wald. Bald nach einem Brunnenhaus wendet sich der Weg nach Norden in Richtung Wangen, das wir auf der alten Olympiastraße nach rechts fahrend erreichen. Bald nach dem Biergarten biegen wir dort links aufwärts in die Buchendorfer Straße ein, halten uns bei einer Weggabelung an einem kleinen Gehölz links und kommen dem Hauptweg folgend am Wadelsberg auf die Teerstraße, auf der wir ein kurzes Stück rechts in Richtung Oberdill weiterfahren. Nach gut 100 Metern zweigt links unser Waldweg ab, wir passieren eine Informationstafel und befinden uns auf dem Max-Josef-Geräumt. Nach nicht ganz fünf Kilometern biegen wir im rechten Winkel nach rechts ins Ludwig-Geräumt ein. Wir unterqueren die Autobahn, passieren ein Wildgatter, fahren weiter geradeaus der Stromtrasse entlang, schwenken vor einem Hang kurz rechts und dann links hinauf und kommen zu einem größeren Rastplatz.

Von dort geht es das von Eichen gesäumte Karolinengeräumt hinunter, wo uns am frühen Abend stattliche Wildschweine begegnen können, die mit ihren Rüsseln die Erde durchwühlen und bei unserem Herannahen scheu ein Wenig in den Wald traben, von wo aus sie uns neugierig nachsehen. An einer Wiese macht unser Weg einen Knick nach halb links und wir fahren nordwärts weiter bis von links hinten im spitzen Winkel das Theresien-Geräumt herankommt. An der Kreuzung biegen wir scharf nach rechts auf einen etwas gewundenen Weg, der uns zum Wildgatter am Waldausgang Richtung Warnberg bringt. Wir fahren geradeaus auf dem Feldweg, am Klostergut und dann am alten Sollner Friedhof entlang, überqueren die Wolfratshauser Straße und folgen ihr ein kurzes Stück, bis wir auf der Melchiorstraße rechts fahren.

Nahe dem Isartalbahnhof unterqueren wir die Eisenbahnlinie, biegen schließlich nach links in die Pullacher Straße ein und fahren ganz gerade auf den alten Großhesseloher Bahnhof zu, vor dem wir rechtswärts den kleinen Weg zur Großhesseloher Brücke nehmen. Hoch oben überqueren wir die Isar und sehen je nach Tages- und Jahreszeit Badende, Floßfahrer oder abendliche Lagerfeuer, deren Rauch sich zur Hochsaison in grauen Schleiern über das Tal legt. Am Ostufer nach links die Rampe hinauf und auf dem Hochuferweg isarabwärts bis zur Meichelbeckstraße. In die biegen wir ein, überqueren dann Geiselgasteigstraße und Trambahngeleise und fahren schnurstracks weiter geradeaus auf dem Harthauser Geräumt bis wir an der Autobahn-Anschlusstelle Taufkirchen West den Wald verlassen, die Autobahn unterqueren und auf der Waldstraße durch die Siedlung nach Osten fahren. Nachdem wir die Bahnlinie unter- und die Tölzer Straße überquert haben, folgen wir noch ein kurzes Stück weiter geradeaus der Tegernseer Landstraße, biegen aber dann links ab, auf den Wasserturm zu und fahren die Mühlstraße bis zum Oberweg. Dort links, draußen auf dem Feld  den Ziegelweg rechts, unter der Autobahn hindurch, am Haidgraben ein kurzes Stück rechts, bis am Werksgelände ein kleiner Weg links hineinführt, der uns zur Schwalbenstraße bringt. Meisenstraße rechts, Finkenstraße links, so gelangen wir an die Rosenheimer Landstraße, die wir überqueren, um auf der Waldparkstraße wieder zum Ausgangspunkt unserer Fahrt zu kommen.

Höhenprofil

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Hamburg [- München] (01.09.11)

Richtig schade, das Zimmer im Hotel Stephan wieder verlassen zu müssen. Am Abend war es noch so richtig gemütlich geworden. Zwei Sofas, ein Sekretär mit herabklappbarer Schreibplatte, auf der Netbook und Zubehör bequem Platz fanden, und dem ein Hauch von Geräuchertem entströmte, das vielleicht einmal ein Gast darin gelagert hatte. Womöglich ein Räucheraal vom Fischmarkt? Die gemütliche, aber ausreichend helle Beleuchtung vom Rosenranken-Kronleuchter und einer Stehlampe. Sehr stilvoll und mit dem Hauch von Patina, die so ein Ambiente erst vollkommen macht. Wir sahen uns die Fotos des Tages an und guckten ein wenig fern.

Morgens wurde flott gepackt. Wenn alle Wäsche einheitlich gebraucht ist, lassen sich die Fahrradtaschen am leichtesten gleichmäßig füllen. Wir bezahlten die sehr akzeptablen 83 Euro pro Nacht und holten unsere Räder, die diese Nacht sehr bequem erreichbar auf der Terrasse hinter dem Haus verbracht hatten. Allerdings schien die Fahrt durch diverse hamburger Glasscherbenviertel am Vortag nicht ganz folgenlos geblieben zu sein. Friederike klagte bald nach dem Losfahren über wenig Luft im Hinterrad. Hundert Stöße mit der winzigkleinen Fahrradpumpe, dann war mir trotz des kühlen Wetters ordentlich warm und wir versuchten, schnell zum Bahnhof zu gelangen, so lange die Reifenfüllung reichte. Trotz Stoßverkehrs und baustellenbedingter Umleitungen klappte das einigermaßen und wir frühstückten in einem Bahnhofsimbiss. Dann ging es mit Aufzügen bequem zum Bahnsteig und schon kam der Zug, so dass wir genügend Zeit hatten, die reservierten Plätze für uns und unsere Fahrräder zu suchen. So unkompliziert kann Zugfahren mit Fahrradmitnahme auch sein: vorgebuchte Plätze für Mensch und Rad im Intercity mit nur einmal umsteigen in Stuttgart. Das ging nicht ganz ohne kleine Verwirrung durch Verspätungen und Bahnsteigwechsel, aber am Ende kamen wir wohlbehalten zu Hause an.

Reiseroute Elberadweg 2011Gesamt-Kilometer: 770

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Hamburg (31.08.11 – 40 km)

Das Hotel soll, so war im Internet zu lesen und vom Portier zu hören, früher einmal eine Entbindungsklinik gewesen sein. Nicht gerade wie neu geboren, aber doch gut erholt vom Schlaf in den bequemen, weichen, aber nicht zu weichen Betten brachten wir unsere Räder aus dem verwinkelten Keller die gebogene Treppe herauf, den schmalen Gang an der Rezeption vorbei ohne an das Tischchen mit den Prospekten zu stoßen, die Stufen zur Tür hinunter und hinaus auf die Straße.

Museumshafen ÖvelgönneEin paar Ecken weiter fanden wir ein kleines Café zum Frühstücken, dann machten wir uns auf den Weg nach Blankenese. An der Elbe sahen wir kleine Boote und riesige Containerschiffe und wurden ständig begleitet vom Geräusch großer Dieselmotoren. An der Flugwerft von Airbus hörten wir Triebwerkslärm und sahen bei der Rückfahrt einen der seltsam geformten “Belugas” starten und landen, mit denen Flugzeugteile zwischen den verschiedenen Standorten des europäischen Gemeinschaftsunternehmens transportiert werden. Es roch nach Kerosin. Einige Male zogen kräftige Regenschauer durch, die wir schon von weitem kommen sahen. In Blankenese weiße Badeort-Villen, stellenweise auch Strand, aber hier am Unterlauf des Flusses würde ich auch bei warmem Wetter nicht schwimmen wollen. Spaziergänger, Radfahrerinnen mit großen Hunden. Tafeln, die den Pegel der letzten Jahrhunderthochwasser anzeigten, Arbeiter, die die Uferbefstigungen ausbesserten. Idiotische Schilder “Vernünftige Radfahrer fahren hier nicht, den anderen ist es verboten”. Geht’s noch?

ContainerrieseAuf dem Rückweg stiegen wir in strömendem Regen bei Teufelsbrück auf die Hafenfähre hinüber nach Finkenwerder, von da mit einer zweiten Fähre hinauf bis nach Sandhöft. Da war der Regen dann wieder vorbei und wir streiften noch etwas durch die Stadt. Mit Fahrrädern ist das sehr bequem. Rathausplatz, Reeperbahn, Jungfernstieg, Bismarckdenkmal, kreuz und quer, wie es gerade kam. Bei einem Penny-Markt in St. Pauli kauften wir Proviant für die lange Eisenbahnfahrt nach Hause. Friederike hatte vormittags auf am Fischereihafen einige Restaurants gesehen, die ihr im Vorbeifahren lohnend erschienen waren, also radelten wir nochmal hinaus, fanden aber nichts, das uns wirklich überzeugt hätte und landeten so wieder im Fischerhaus, wo es uns tags zuvor ja recht gut gefallen hatte. Der Tag endete mit einem gemütlichen Abend in unserem komfortablen Hotelzimmer.

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Stove – Hamburg (30.08.11 – 43 km)

Ein Wenig zu teuer war das Zimmer im Hotel zur Rennbahn in Stove ja schon, verglichen mit anderen Unterkünften auf dieser Reise. Nicht dass irgendetwas nicht in Ordnung gewesen wäre, aber die Beleuchtung im Zimmer war duster und die Dusche über der Badewanne original Siebziger Jahre. In den Betten allerdings haben wir gut geschlafen. Nach dem Frühstück begann die letzte Etappe dieser Tour. An der Elbe entlang ging es in Richtung Drage und schon bald mussten wir unsere Regencapes herausholen, wie noch mehrmals an diesem Tag. Herbstlich kühl war es auch.

Über Laßrönne ging es nach Stöckte, wo wir die Wartezeit auf die Fähre zum Einkauf in einem kleinen Supermarkt nutzten, in dem zwei ältere Frauen ein bemerkenswert übersichtliches Sortiment verwalteten. Schon unterwegs hatten wir am Wegesrand je eine  Tüte Äpfel und Zwetschgen für zusammen zwei Euro erstanden. Dass Privatleute die Früchte ihres Gartens zur Selbstbedienung am Wegrand anbieten, ganz schlicht mit Preiszettel und Geldkassette, haben wir immer wieder auf dieser Reise angetroffen.

Die Motorfähre, mit der wir nun ein letztes Mal übersetzten, war bedeutend größer als die bisherigen. Rechts der Elbe entfernten wir uns zunächst vom Fluss und fuhren dann über viele Kilometer schnurgerade auf dem Damm der ehemaligen Marschbahn entlang. Die ganze Strecke verläuft zwischen Bäumen und Sträuchern, was uns willkommenen Schutz vor dem teils recht böigen Wind bot. Erstaunlich der wild wachsende Hopfen, der sich stellenweise über die Sträucher gelegt hatte und sich an Bäumen emporrankte.

Hopfen am Marschbahndamm bei den Kirchfelder WiesenÜber Moorfleet, wo uns jetzt, zum Schluss unserer Tour, ein wirklich heftiger Regen ereilte, so dass Hosen und Schuhe nass wurden, kamen wir nach Kaltehofe und staunten über die alten Filterbecken für die Hamburger Wasserversorgung. Entlang der Norderelbe führte unser Weg dann in die Stadt, so dass wir mit Speicherstadt, St. Pauli, Landungsbrücken, Hafenstraße und Fischmarkt schon eine kleine Sightseeingtour gemacht hatten, ehe wir im Hotel ankamen. Erst wollte uns Garmin eine steile Treppe hinaufschicken, aber nach nochmaliger Ermahnung navigierte er uns ohne Rücksicht auf Einbahn- und andere Verkehrsregeln brav auf befahrbaren Wegen bis vor die Tür des Hotel Stephan, wo wir für nicht viel mehr als in Stove ein wirklich außerordentliches Zimmer bezogen.

Zimmer im Hotel StephanWir wechselten in trockene Kleider, aßen von unserem Proviant und radelten dann zum Bahnhof Altona, um etwas Bargeld nachzufassen, dann zu den Landungsbrücken, wo wir mit dem einem der altmodischen Aufzüge zum alten Elbtunnel hinunterfuhren und uns die Stadt von Steinwerder aus ansahen. Michel, Außenalster, Rathaus, mit den Rädern kamen wir recht schnell herum, der Verkehr war erträglich. Zum Schluss bekamen wir im Fischerhaus am St. Pauli Fischmarkt ein prima Abendessen.

Blick von Steinwerder

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Bleckede – Stove (29.08.11 – 47 km)

Rhabarberschorle hätte gute Chancen, unser Kultgetränk dieses Sommers zu werden, wenn nur das Wetter etwas mehr Lust auf einen erfrischenden Trank machen würde. Jedenfalls gab es im Haus Elbtalaue in Bleckede neben sonstigen Annehmlichkeiten auch einen Vorrat an preisgünstigen Getränken zur Selbstbedienung und der Rhabarbertrunk einer lokalen Mosterei hat es uns angetan. Das Frühstück war auch ganz nach Wunsch und zum Abschied bot der freundliche Wirt noch an, ein Erinnerungsfoto von uns zu machen. Hier ist es.

Erinnerungsfoto Haus Elbtalaue, Bleckede
Im Zentrum von Bleckede hatten wir schon am Vorabend einen Bio-Laden entdeckt, in dem wir jetzt Proviant einkauften, dann noch in einem Drogeriemarkt Batterien für das Navi und schließlich gab’s noch Morgencappuccino bei einem italienischen Lokal. Dann waren wir bereit zur Weiterfahrt. Mal vom kräftigen und böigen Wind geschoben, mal gegen ihn antretend folgten wir den Schleifen der Elbe, meist unterhalb des Deiches, für kurze windige Stücke auch oben. Kurz vor Radegast wurde es duster, der Wind nahm zu und es begann, in großen Tropfen zu regnen. Jetzt eine Schutzhütte! Jawohl! Genau im richtigen Moment tauchte ein Unterstand auf, der, wie wir aus angeschlagenen Zeitungsartikeln lesen konnten, erst im Mai in einer “72-Stunden-Aktion” von der Landjugend Radegast erbaut worden war. Dankeschön auch, ECHT STORK!

Schutzhütte der Landjugend Radegast
Inmitten des Wolkenbruchs kam noch ein zweites Radlerpaar und gesellte sich zu uns. Wir tauschten Reiseerfahrungen aus und warteten gemeinsam, bis der Regen vorbei war. Dann ging es weiter durch die Elbtalaue. In Hohnstorf, gegenüber Lauenburg, machten wir im Windschutz eines Sportheims Brotzeitpause. Beim Fährhaus Tespe tranken wir Kaffee und schauten mit gemischten Gefühlen hinüber zum Kernkraftwerk Krümmel auf der anderen Seite der Elbe, das seit einer Reaktorschnellabschaltung anlässlich einer Störung am  4. Juli 2009 hoffentlich für immer vom Netz ist.

Atomkraftwerk Krümmel
Wie schon tags zuvor freuten wir uns bei der Weiterfahrt über die Schafe am Deich, über die kleinen Vögel, die sich bisweilen auf dem Rücken der weidenden Tiere niederlassen, und über die Schwalben, die auf der Jagd nach Insekten dicht über dem Boden dahinschossen und sich an der Deichkrone mit ausgebreiteten Flügeln vom Wind nach oben reissen ließen, um gleich im pfeilschnellen Flug wieder zurückzukehren. Oft keuzten sie bei ihren atemberaubenden Flugmanövern so knapp vor uns den Weg, dass wir instinktiv die Köpfe einzogen, um einem Zusammenstoß zu entgehen, aber sie sind ja sehr geschickte Flieger.

Deichschafe (Foto: Friederike Schmidhuber)Langsam wird die Nähe der Großstadt spürbar. Der Verkehr nimmt zu, die Ortschaften gehen ineinander über, die Besiedlung wird dichter, die bislang recht frei fließende Elbe ist stückweise verbaut und die Preise für Kaffees und Unterkunft steigen schon deutlich. Nachdem wir erst für übernächste Nacht in Hamburg gebucht haben, ließen wir es in Stove genug sein und mieteten uns im Hotel zur Rennbahn ein. Die Zimmer liegen nebeneinander entlang einer Veranda im Garten und es ist fast wie in einem Ferienhäuschen. Im Hotel-Restaurant waren wir schon um halb Neun die einzigen Gäste. Aber man servierte uns ein wirklich ausgezeichnetes Abendessen. Was fehlt, sind warme Socken zum Fleecepulli, denn es ist ungemütlich kühl geworden.

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Damnatz – Bleckede (28.08.11 – 56 km)

Morgens war es recht frisch, Adebar stand auf seinem Nest und unsere Gastgeberin hängte im Garten Bettwäsche zum Trocknen auf. Es sollte ein kühler, windiger, aber fast regenfreier Tag werden. Im Hotel Steinhagen gab es ein gutes Frühstücksbuffet, wie immer mit heißem Kräutertee. Dann packten wir wieder, holten unsere Räder aus der alten Schreinerei, wo sie zwischen Kreissäge und Bandsäge die Nacht verbracht hatten, behängten sie mit unseren Gepäcktaschen, steckten die Wasserflaschen in die Halterungen, ich schob die Landkarte auf der richtigen Seite aufgeschlagen in den Kartenhalter am Lenker und das Navi auf seine Halterung, hängte die Mütze an den Rückspiegel und los ging’s, wie jeden Tag.

Fahrrad-Cockpit ;-)Teils auf der Deichkrone, teils unterhalb, im Windschatten des Deichs, fuhren wir weiter elbeabwärts. Nach etlichen Kilometern fand sich ein einladender Ort für den Morgenkaffee. Jetzt, kurz vor Mittag saß bei den Elbterrassen in Wussegel noch niemand draußen im Garten, aber die Sonne schien, der Ort war windgeschützt und so nahmen wir Platz. Das Speiselokal drinnen war an diesem Sonntag um halb Zwölf bereits gut gefüllt mit Rentnerinnen und Rentnern, die beim Mittagessen saßen. Wir tranken ausgezeichneten Milchkaffee, dann fuhren wir weiter.

In Hitzacker herrschte Feststimmung. Die Ortsstraße war gesperrt, Imbissstände, Tische und Bänke waren aufgestellt, man aß und trank. “Hitzacker tischt auf” heißt dieses regelmäßige Ereignis, offenbar eine Art Leistungsschau der örtlichen Gastronomie. Eine andere Leistungsschau plant Hitzacker für den 17. September. Dann geht es darum, den Guiness-Weltrekord im Steckenpferd-Quadrillereiten zurückzuerobern.

Steckenpferd-Rekordversuch HitzackerWir radelten hinunter zur Elbfähre und setzten über. Das kleine Boot transportiert nur Fußgänger und Radfahrer und die Überfahrt war  mit 2,80 € pro Mensch mit Rad die bisher teuerste auf dieser Reise. Bei Banke bogen wir landeinwärts ab, denn die Stixer Wanderdüne lockte. Sie sei, so lasen wir, eine der wenigen “aktiven” Wanderdünen, die sich durch Windverfrachtung ihres Sandes verändern. An Ort und Stelle zeigte sich allerdings, dass die Besichtigung eine längere Fußwanderung erfordert hätte und so fuhren wir gleich wieder zurück an den Fluss.

Je nach Verlauf des Weges am Deich mussten wir teils kräftig gegen den Wind antreten, teils wurden wir wie im Flug vorangeblasen. Bei Popelau und Konau fanden wir zwei Museen, die sich mit dem Schicksal der Menschen in dieser Grenzregion nach der Deutschen Teilung beschäftigen.  Wer nicht zwangsweise abgesiedelt wurde, musste starke Einschränkungen seiner Bewegungsfreiheit erdulden.

Über Viehle und Stiepelse gelangten wir schließlich zur Anlegestelle der Fähre nach Bleckede. Wir waren zunächst etwas unschlüssig, ob wir die Elbseite wechseln sollten, reservierten dann aber telefonisch ein Zimmer im Haus Elbtalaue in Bleckede. Es liegt zwar etwas weiter vom Ortszentrum, als wir erwartet hätten, ist aber sehr freundlich und hält zahlreiches Informationsmaterial für die Gäste bereit, was ich immer sehr schätze. Auf Empfehlung des Wirts radelten wir abends noch einmal in den Ort zum “Alten Zollhaus”, wo wir vorzüglich und preiswert zu abend aßen.

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Schnackenburg – Damnatz (28.08.11 – 50 km)

Nach der gestrigen Hitze heute ein kühler Regentag. Wir bekamen ein gutes Frühstück, konnten aber mangels Laden keinen Proviant einkaufen. Bald schon brauchten wir unsere Capes, denn es regnete schwach aber anhaltend.

“Biosphärenreservat Niedersächsische Elbaue” nennt sich die Gegend. Wir ließen den Gartower See aus und fuhren direkt an der Elbe entlang. Nach einigen Kilometern schwenkte der Weg von der Elbe ab und dann ging es auf steiniger Straße so steil bergan, dass wir teilweise schieben mussten. Wir erklommen den Höhbeck, einen Höhenrücken, der sich hier ein ganzes Stück weit im Elbtal erhebt. Oben gab es einen Aussichtsturm und den sehr netten Kaffeegarten Schwedenschanze, wo wir uns für eine Weile niederließen.

Gestern, in der Gegend von Havelberg, hatten wir vor einigen Häusern große rote X-Kreuze aus Holzlatten gesehen und eine Weile darüber gerätselt, bis wir erfuhren, dass die Menschen damit ihre Ablehnung gegen ein Kohlekraftwerk und eine Anlage zur CO-Verpressung in der Altmark zum Ausdruck bringen. Hier, im Wendland, wo gelbe Kreuze in der gleichen Art den Protest gegen weitere Castor-Lieferungen nach Gorleben ausdrücken, fanden wir neben reichlich Infomaterial zu Gorleben auch eine Unterschriftenliste aus der Altmark. Die Wirtin des Kaffegartens erzählte eine Weile über das Leben in der Gegend, die immer menschenleerer werde. Hätten vor der Wiedervereinigung noch Westberliner das Wendland als nahen westdeutschen Freizeit-Stützpunkt genutzt, seien auch sie nach der Wende weggeblieben.

Der Weg hinunter vom Höhbeck nach Vietze war weniger steil und gut befahrbar. Über Meetschow kamen wir nach Gorleben, das ebenso menschenleer und harmlos dalag, wie viele andere Orte in der Gegend und bis auf einige gelbe Kreuze nichts von der Stimmung des Protestes und Aufruhrs an sich hatte, die man im ganzen Land mit diesem Namen verbindet. Wir fuhren südwärts in den Gorlebener Forst, wo sich mitten im lichten Kiefernwald das Brennelemente-Zwischenlager und die Anlagen für die sogenannte Erkundung des Salzstocks als Endlager befinden. Im Zwischenlager landen die umkämpften Castor-Behälter für 30-40 Jahre. Erst dann ist der in ihnen enthaltene Atommüll so weit abgekühlt und abgeklungen, dass er zur Endlagerung konfektioniert werden könnte. Das Verfahren dazu soll in einem Bauwerk neben dem Lager, der sogenannten Pilotkonditionierungsanlage, entwickelt werden. Erst am Ende könnte der Müll in kleineren Behältern endgelagert werden, aber ein Endlager gibt es bislang noch nicht. Die Nutzung der Kernkraft ist also, wie es ein Flugblatt im Kaffeegarten zutreffend beschrieb, ein Flug ohne Landebahn. Niemand weiß noch, was am Ende mit dem Atommüll geschehen wird. Die nächsten drei bis vier Jahrzehnte jedenfalls wird der Müll in den Castoren erst einmal oberirdisch in einer Halle im Gorlebener Forst stehen und abklingen. Gerade in diesen Tagen wird Strahlung nahe dem gesetzlichen Grenzwert gemessen. Kein Wunder, dass sich die Menschen im Wendland wehren.

Protestlager im Wald bei GorlebenWir hatten gelesen, dass ab Mitte August täglich Protestaktionen vor Ort stattfinden sollten, aber an diesem Tag waren wir völlig allein. Eine große Schutzhütte der Protestierenden bot uns Schutz vor dem Regen. Wir machten Brotzeit und lasen die Infos und Plakate an den Anschlagtafeln rund um die Hütte, dann suchten wir wieder den Weg an die Elbe, die wir bei Brandleben erreichten.

Ein Stück flussabwärts erreichten wir die Ruine der alten Eisenbahnbrücke bei Dömitz. 1873 fertiggestellt, erreichte sie nie die Verkehrsbedeutung, die ihr ursprünglich zugedacht war. Zu Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie teilweise zerstört und wegen der Teilung Deutschlands anschließend nicht wieder aufgebaut. Nur der “westdeutsche” Teil bis zur Elbe steht noch und führt ins Nirgendwo.

Eisenbahnbrücke bei DömitzEtwas weiter, in Damnatz lockte uns das Hotel Steinhagen gleich hinter dem Deich. Wir bekamen ein nettes Privatzimmer in einem Haus in der Nähe, eigentlich eine kleine Ferienwohnung im ersten Stock mit zwei Zimmern und einem Bad über den Flur, von dem aus man in der Abenddämmerung ein Storchenpaar am Nest beobachten konnte.

Störche am Nest

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Sandau – Schnackenburg (26.08.11 – 65 km)

Wir verließen Frau Pabst und Sandau und fuhren nach Havelberg, wo wir in malerischer Umgebung frühstückten. Croissants oder dergleichen war nicht zu bekommen, also aßen wir zum Milchkaffee Quark-Aprikosen-Torte. Ein etwas ungewöhnlicher Start in den Tag, vielleicht auch ernährungstechnisch nicht besonders gesund, aber durchaus gut. Der Versuch, noch etwas mehr Proviant einzukaufen, führte uns in Schleifen durch den Ort. Immerhin fanden wir eine Bäckerei, aber die Versorgung mit Milchprodukten, Obst, Gemüse oder Keksen ist auf diesen Touren im Osten immer ein Problem, weil es Innerorts kaum kleine Läden des alltäglichen Bedarfs gibt. Als ich dieser Tage eine Buchhändlerin nach einem Lebensmittelladen fragte, war die Gegenfrage: “Meinen Sie einen Discounter?”, und so sind die Verhältnisse in der Tat. In den Ortschaften gibt es kaum Geschäfte, etwas abgelegen und meist auch ab von unseren Wegen finden sich dann Aldi, Lidl, Netto und andere Ketten-Supermärkte.

Storch in Rühstädt (Foto Friederike Schmidhuber)Es folgte eines der schönsten Wegstücke dieser Reise. Dem Rat unserer letzten Wirtin folgend überquerten wir den Schleusenkanal zwischen Elbe und Havel und konnten so bis kurz vor Rühstädt durch die wunderbare Naturlandschaft zwischen den beiden Flüssen fahren. Wir genossen dir herrliche Gegend und ließen uns von dem meist recht kräftigen Rückenwind helfen. Rühstädt bezeichnet sich selbst als das storchenreichste Dorf Deutschlands. Tatsächlich wurden wir schon bei den ersten Häusern vom lauten Klappern eines Storchs begrüßt, der hoch oben auf seinem Nest saß. Überall gab es solche Nester und einer nach dem anderen erhoben sich die Störche und kreisten in großer Zahl über dem Ort und den angrenzenden Auen.

Weiter an der Elbe entlang kamen wir schließlich nach Wittenberge. Zu der Stadt gibt es nicht viel zu sagen. Wir sahen einige leerstehende Backstein-Fabrikgebäude mit zerbrochenen Fenstern. Am Ortsrand, am Elbufer, gönnten wir uns gegen den Durst des heißen Tages große Apfelsaftschorlen und überstanden so einen kurzen Regenguss im Schutz der großen Sonnenschirme eines Cafés. Abkühlung brachte der Regen nicht. Es blieb heiß und Rückenwind macht zwar schnell, aber er kühlt nicht besonders gut und so suchten wir im weiteren Verlauf immer wieder den Schatten.

FlusslandschaftHeute fuhren wir viel auf den Deichkronen, die Wege waren teils sandig, teils mit großen und kleinen Betonsteinen oder -platten eben gepflastert. Nur an Deichquerungen und vor allem in Ortsdurchfahrten gab es auch hier, wie auf der ganzen bisherigen Tour, Kopfsteinpflaster, das den Radler ziemlich durchschüttelt. Wir haben bis jetzt nicht verstanden, warum man hier ausgerechnet im Siedlungsbereich diesen unebenen, unbequemen und lauten Straßenbelag wählt. An einem Überschuss an Granit kann es in dieser sandigen Gegend nicht liegen.

Hafencafe  Felicitas, SchnackenburgAm Nachmittag erreichten wir schließlich mit einer kleinen Motorfähre das malerische Örtchen Schnackenburg. Wir haben inzwischen eine Tagesetappe Vorsprung gegenüber dem Tourplan und so beendeten wir hier die Fahrt dieses äußerst heißen Tages. Das Hafencafé Felicitas hat große, freundliche Zimmer und angenehme Betten. Wir duschten und liefen dann nochmal hinaus. Der Ort liegt in Niedersachsen, direkt an der ehemaligen DDR und ein Museum dokumentiert die Merkwürdigkeiten und Schrecken dieses ehemaligen Grenzgebietes. Im wunderbaren Spätnachmittagslicht liefen wir nochmal hinaus auf den Deich an der Elbe und sahen der emsigen kleinen Fähre zu, mit der wir gekommen waren. Dann wanderten wir noch etwas durch den Ort und schließlich aßen wir bei “Felicitas” angenehm zu abend.

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Bertingen – Sandau (25.08.11 – 65 km)

Wir verließen das komfortable Feriendorf Bertingen bei trockenem Wetter. Nach einer Weile erreichten wir die Gegend, wo die nächtlichen Gewitter am stärktsten gewütet hatten, die bei uns nur von Ferne zu hören waren. Alte Bäume lagen entwurzelt, von anderen waren große Äste abgerissen, überall hörte man die Motorsägen der Räumtrupps und die Ränder der Obstbaumalleen waren übersät mit Äpfeln, die das Unwetter heruntergeschüttelt hatte.

DeichschafeWir fuhren über Ringfurth und Sandfurth nach Grieben, kürzten bei Buch den Weg ab und trafen am Elbdeich eine Schafherde mit Lämmern und zwei Ziegen. Weiter durch die Aulandschaft der Altmark gelangten wir schließlich nach Tangermünde. Der Ort ist mit seinen Backstein- und Fachwerkhäusern so wunderbar malerisch, dass wir uns kaum losreißen konnten. Wir beschlossen, den im Reiseführer vorgeschlagenen Abstecher nach Stendal auszulassen und fuhren entlang der Hauptstraße weiter. Nach einem Stück durch unschönes Gewerbegebiet ging es wieder an der Elbe in Richtung Arnau. Waren wir in den letzten Tagen in einer schier endlos weiten Ebene gefahren, wurde es hier etwas hügelig und die Elbe floss in einem engeren und etwas tiefer eingeschnittenen Tal.

TangermündeVon Arnau aus versuchten wir, telefonisch ein Quartier in Hohenberg-Krusemark zu bekommen, aber  wir erreichten niemanden und der Wirt eines Cafés, in dem wir Rast machten, warnte uns, dass wir dort zwar vielleicht eine Unterkunft, aber kein Abendessen finden würden. So navigierten wir auf direktem Weg nach Dalchau und durch ein neu erschlossenes Gewerbegebiet weiter in Richtung Rosenhof. Eine Fähre brachte uns schließlich nach Sandau, das wir schön im Abendlicht liegen sahen. Nach einigem Fragen fanden wir ein Privatzimmer über einem alten Friseursalon und mieteten uns ein. Die Wirtin ist freundlich, das Zimmer und das Bad gegenüber am Flur sind ordentlich, sogar ein Wohnzimmer steht uns zur Verfügung und alles ist voll mit den erstaunlichsten Nippes, Plüschtieren und allen Arten kitschiger Dekoration.

Ein nicht weiter erwähnenswertes Abendessen gab es bei einem Gasthof in einiger Entfernung. Das Lokal sah bei unserer Ankunft so unbelebt aus, dass wir schon fürchteten, unseren Keksvorrat zu Abend essen zu müssen. Ein Gast verabschiedete sich gerade, als wir um acht Uhr kamen. Ganz offenbar waren wir die letzten Gäste und die Wirtsleute schienen auch nicht mehr mit Kundschaft zu rechnen. Als wir wieder gingen, war das Wirtshausschild noch immer ohne Beleuchtung. Am Rückweg waren wir ganz alleine auf der Straße. Nahe dem Gasthof lag der bereits weitgehend skelettierte Kadaver einer überfahrenen Katze auf dem Trottoir, ganz als käme hier wochenlang niemand vorbei.

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